Porträt

∙ Wann, wo und warum wurdest du geboren?

Am 8. April 1975 in Schweinfurt, also im schönen Frankenland, dem ich bis heute treu bin.
Dieser Frühlingstag war – so will es die Legende – ein stürmischer Tag mit heftigem Gewitter.
So wünsche ich mir das als Widder! Meine Mutter fand das vielleicht nicht so gut, aber sie
hat mich ja nicht gefragt. Warum ich geboren wurde, ist deshalb das größte ungelöste Rätsel
für mich. Vielleicht ja auch, um zu schreiben?

∙ Woher kommt deine Lust am Schreiben? Liegt sie in deiner Familie?

Autoren gibt es in meiner Familie nicht (zumindest weiß ich nichts davon). Die Kreativität
kommt wohl eher von der mütterlichen Seite – da gab und gibt es so manchen, der das Blaue
vom Himmel lügen … pardon, natürlich ‚erzählen‘ kann –, während die Sprachbegeisterung
im engeren Sinne von der väterlichen Seite herrührt: Mein Opa war ein hochbegabter
Wechstabenverbuchsler, der sich einen Spaß daraus machte, die Laute einzelner Wörter so
zu verdrehen, dass man sie beim Hören erst neu im Kopf zusammensetzen musste. Und
mein Vater kann fließend rückwärts sprechen – eine äußerst bemerkenswerte Gabe, die mir
leider nicht vergönnt war. Allerdings lese ich Zeitungsartikel meist von hinten … na ja, liegt
wohl wirklich in den Genen.
(Aber im Ernst: Probiert mal, einen Text von hinten zu lesen. Da spart man unglaublich viel
Zeit, weil man sich den Inhalt schneller erschließt und nur die Hälfte lesen muss.).

Wie fing das mit dem Schreiben an?

Schreiben ist vielleicht so etwas wie eine angenehme Krankheit, die irgendwann chronisch
wird. Meine Begeisterung fürs Schreiben begann schon in der Grundschule, auch weil es da
einen Deutschlehrer gab, der mich förderte. Ihm bin ich noch heute sehr dankbar! Leider
wird ja am Gymnasium kaum Wert auf kreatives Schreiben gelegt – und das setzt sich dann
an der Universität natürlich fort. Aber auch das wissenschaftliche Schreiben hat einen Sog
erzeugt: Irgendwann konnte ich mit dem Schreiben nämlich nicht mehr aufhören. Nachdem
ich meine über tausendseitige Doktorarbeit eingereicht hatte, habe ich nahtlos
weitergemacht. Schreiben – egal in welchem Genre – bedeutet ja: sich mit der Welt
auseinanderzusetzen. Und das ist immer wieder Erlebnis, Wagnis und Entdeckung.

 

∙ Was und wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten verfasse ich Texte, in denen sich meine Fantasie frei entfalten kann. Ich schreibe
also genau die Geschichten, die ich als Kind gerne selbst gelesen hätte. Was Pädagogen,
Mütter und Literaturkritiker möglicherweise dazu sagen könnten, ist mir – sorry an alle
Genannten! – erst einmal völlig egal.
Sehr gerne schreibe ich an meinen großen Schreibtischen in Bamberg und Erlangen sowie
auf meinem Bauernhof im nördlichen Franken. Ich brauche dann nur ein Thema oder ein
Bild, schließe die Augen – und eine Geschichte beginnt in mir abzulaufen. Inzwischen sind es
so viele geworden, dass ich sehr alt werden müsste, um die alle zu Papier zu bringen.

∙ Was hast du denn alles so gemacht, bevor du begonnen hast, Kinder- und Jugendbücher zu schreiben?

Da ich ja erst im biblischen Alter von 41 Jahren mit dem Schreiben von Kindergeschichten
begann, habe ich vorher schon so einiges gemacht: Dummes und Weises, Spannendes und
Stinklangweiliges. Dazu gehört z.B. ein Studium der Slavistik, Indologie und Europäischen
Ethnologie in Würzburg, München und Bamberg; ein längerer Aufenthalt in Taiwan; meine
Tätigkeit als Lehrerin für eine ganze Menge Sprachen (das mache ich heute noch); eine
Schauspielausbildung in Freiburg; eine Visagistik-Ausbildung in München; eine Heirat und
ausgiebiges Streicheln zahlloser Katzen.

∙ Was machst du gern in deiner Freizeit?

Dass ich in meiner Freizeit gerne schreibe und Katzen streichle, ist nun wahrscheinlich keine
Neuigkeit mehr für euch. Aber was ihr noch nicht wisst: Ich habe eine seltsame Vorliebe für
Grammatik (ja, für diese putzigen Regeln, die Sprachen erst zu Sprachen machen) und kann
mich stundenlang mit der Possessivität im Somali, den Raumvorstellungen in der Hopi-Sprache, dem altgriechischen Verb oder … Aber halt, ich lasse mit mitreißen. Man könnte
auch einfach sagen, dass ich mich gerne mit Sprachen beschäftige. Das heißt: Ich bin
neugierig auf die Welt. Klar, dass ich auch sehr gerne reise, am liebsten nach Ostasien. Und
ich liebe Russland!

∙ Was sind deine literarischen Pläne für die Zukunft?

Auf jeden Fall möchte ich noch ganz viele spannende, geheimnisvolle, berührende Bücher
schreiben. Welche das sein werden, weiß ich nicht. Denn neue Ideen können wie von
Geisterhand auftauchen, von denen manche Form annehmen, andere nicht. Fragt mich
morgen nochmal!